In den letzten Tagen hatte ich kurzfristig ein neues Projekt gestartet: Fedora 22 Workstation auf einem Lenovo Thinkpad. Das ist an sich keine große Sache sollte man meinen – außer man möchte das auf einem Chromebook erledigen!

Warum?

Warum sollte man sich das antun? Chromebooks sind eigentlich dafür bekannt, dass sie mit Apps von Google laufen, angefangen mit ChromeOS als Betriebssystem, Google Chrome zum Surfen im Netz, Google Docs für Dokumente bis hin zu Google Mail für die schriftliche Kommunikation nach aussen.
Desweiteren sind Chromebooks dafür bekannt, dass sie Internetzugriff brauchen und allgemein eher schwachbrüstig unterwegs sind, was die Rechnerleistung anbelangt.

Dachte ich auch. Dann stieß ich auf das Lenovo Thinkpad X131e und da es zu einem wirklichen Schnäppchenpreis angeboten wurde und trotzdem die bekannte Thinkpad Qualiät versprach, schlug ich zu und wagte das Experiment Linux auf einem Chromebook.

Kennenlernen des Geräts

Das Thinkpad X131e ist ein Gerät der Netbook Klasse, das mit seinem 11,6 Zoll Schirm mit den üblichen 1366×768 Pixel auflöst. Zusätzlich gibt es noch 3 USB Schnittstellen, davon 2 mit USB 3.0 und einer 2.0, die genug Strom für USB Aufladungen bietet. Neben einem SD Kartenleser der auch SDHC verarbeitet gibt es noch einen Ethernet, VGA und einen HDMI Ausgang. Die wahre Schönheit liegt aber im Innernen: Neben bereits verbauten 4 GB RAM kann noch ein weiterer SO-DIMM verbaut werden und die M2 mit 16GB Speicher kann um eine 2.5 Zoll SATA SSD oder HDD erweitert werden! Diese Ausstattung kann sich durchaus sehen lassen und und so begann ich mit den Vorbereitungen.

Bios-Flash

Um ein Linux booten zu können muss man zuerst das ChromeOS loswerden. Das klingt einfacher, als es ist. Google hat nämlich einen Hardware Schalter eingebaut, um das Reflashen zu verhindern. Man muss also das Thinkpad mehr oder weniger komplett zerlegen, den Schalter von 1 auf 0 umlegen. Sobald das erledigt ist, kann man in den sogenannten Developer-Modus wechseln, in welchen eine Shell Zugang zum ChromeOS ermölgicht.
Dann braucht man noch ein passendes BIOS. Bereitgestellt wird dies freundlicherweise von John Lewis. Auf seiner Webseite wird auch klar aufgelistet, welches Chromebook dafür genutzt werden kann und was man zu erwarten hat.

Installation

Wenn diese Hürde genommen ist, kann mit der Installation von der Linux Distribution begonnen werden. Bei mir trat das Problem auf, dass die Live USB Distribution kurz nach dem Laden der initrd in eine Reboot Endlosschleife überging. Abhilfe schaffte das BFO, eine Möglichkeit, mittels Netinstall die ganze Distribution aus dem Internet nachzuladen. Mit einer schnellen Internetleitung ist auch das kein Problem und kurz darauf begrüßt der Willkommensschirm von Fedora 22.

Sonstiges

Ich verwende Insync zur Google-Drive Synchronisation und in Fedora 22 scheint es einen Bug mit dem Starten von Insync zu geben, aber auch bereit eine Lösung.

Desweiteren verwende ich sehr intensiv Evernote und die Unterstüzung mit nativen Linux-Clients ist leider noch sehr bescheiden. Es gibt NixNote2 in der Beta 3, die bei mir nichtmal den Initialsync schaffte und Everpad, bereits für Fedora 22 kompiliert. Mit Everpad kann man zumindest rudimentär arbeiten, aber es gibt noch einiges Potential nach oben.

Fazit

Ansonsten funktioniert auch OpenVPN ohne Probleme und ich kann zum ersten Mal sagen, dass ich eine Linux-Umgebung am Desktop habe, und ich auf kein Programm verzichten muss!

Gut, die Portable Version von Boxcryptor ist wirklich nicht mehr als eine Notlösung und schön wäre hier ebenfalls eine Integration wie für die Windows und Mac Versionen, aber das kann ja noch werden.